Stellungnahme zum Südkurvenstammtisch

FankulturStellungnahme unseres Fan-Clubs „FC-Echo“ zum Südkurvenstammtisch des „Südkurve 1. FC Köln e.V.“, am 02.04.2015:

Unser Fan-Club nahm mit 5 Vertretern am Südkurvenstammtisch teil und wir waren über das große allgemeine Interesse (ca. 100 Anwesende) überrascht. Die Veranstaltung dauerte ca. 3 Stunden und verlief durchweg in einer sachlichen Atmosphäre. Als Moderatoren haben Stefan Schell und David Barr, nach kurzen einleitenden Worten zur Situation, eine offene Fragerunde eingeleitet.
Im Mittelpunkt der Diskussion standen, wie erwartet, die aus den Vorfällen in Mönchengladbach resultierenden Konsequenzen für die Kurve.

Grundsätzlich gab es für uns nicht viel Neues, sondern es war eher eine Wiederholung, der bereits veröffentlichten Stellungnahmen der einzelnen Gruppierungen.
Auf die Hauptfragen, gab es für uns keine abschließenden Antworten.
Für sehr bedenklich fanden wir die von einem Vorstandsmitglied mehrmals betonten Äußerungen, dass er hier nicht für den „Südkurve e.V.“ sprechen, sondern dass er nur seine private Meinung äußern kann. Man sei sich im „Südkurve e.V.“ über die gemeinsame Vorgehensweise noch nicht einig. Wir sind der Auffassung, wenn man schon als „Südkurve e.V.“ einlädt, sollte man auch die Autorität besitzen, für diesen sprechen zu können. Alles andere macht wenig Sinn. Von daher können wir bestimmte Antworten gar nicht bewerten.

Folgende Themen waren Inhalt der Veranstaltung:

1. Thema:
Es wurde über das Konstrukt und die Aufgabe des „Südkurve e.V.“ berichtet. Hier sind etwa 60 Fan-Clubs hauptsächlich aus Süd, aber auch aus Nord vertreten. Uns hat sich die Frage gestellt, ob der „Südkurve e.V.“ tatsächlich berechtigt ist, für die gesamte Südkurve sprechen zu dürfen (wegen dem Namen „Südkurve“).

Wir, das „FC-ECHO“, sind der Meinung…
… dass wir uns nicht mit dem „Südkurve e.V.“ identifizieren und es mehrheitlich ablehnen, von ihnen vertreten zu werden. Für einen offiziellen Anschluss sind die Ansichten zu konträr und würden nur Anlass zu Differenzen bieten, aber weitere Dialoge halten wir für sinnvoll.

2. Thema:
Die „Südkurve e.V.“ steht für:

  • Die Farben und für die Stadt
  • Erhaltung der Fankultur
  • Ehrlichen Fußball
  • Die Fans, als einzige Konstante beim FC
  • Den Zusammenhalt und das einheitliche Auftreten der Ultras

Wir, das „FC-ECHO“, sind der Meinung…
… dass diese Grundeinstellung sehr ehrenwert aber unvollständig ist, da ein klares Bekenntnis zum Verein und zur Mannschaft fehlt.
Mit diesen Werten stellen sie sich als Gruppierung über den Verein, was nach unserer Meinung äußerst bedenklich und fragwürdig ist.
Denn der Verein IST die einzige Konstante und der gemeinsame Nenner aller Fans. Die Aussage „…Funktionäre und Spieler kommen und gehen, nur der Fan bleibt…“

ist zwar korrekt, aber davon lebt der Fußball. Die Funktionäre haben die Aufgabe einen Fußballverein sportlich und wirtschaftlich erfolgreich zu führen. Spieler und Trainer haben die Aufgabe sich fit zu halten, sich weiterzuentwickeln und die sportlichen Vorgaben des Vereins umzusetzen. Ohne Funktionäre und Spieler gäbe es keinen Verein und ohne Verein gäbe es keine Fans und somit auch keine Ultras.
Für unseren Fan-Club „FC-Echo“ steht daher der Verein an erster Stelle.
Dass sich jetzt bestimmte Fangruppierungen in den Mittelpunkt stellen, ist sehr gewagt und sehen wir als ein Hindernis für die Entspannung der aktuellen Situation.

3. Thema:
Auf die Anfrage, was die Ultras nun vom FC erwarten, kam sinngemäß folgende Antwort: „offiziell gäbe es innerhalb der Gruppen noch keine Einigung“
Die Vorstandsmitglieder gaben ihre „Privatmeinungen“ ab: „Alle Unschuldigen sollen wieder ins Stadion dürfen.“ Eine nähere Erklärung, wer für sie schuldig ist, kam nicht.

Wir, das „FC-ECHO“, sind der Meinung…
… da hier Privatmeinungen abgegeben wurden, wird es von uns hier auch keine offizielle Stellungnahme geben.

4. Thema:
Die Unterstützungsverweigerung gegenüber der Mannschaft.
Die Ultras finden, dass die aktuelle Mannschaft seit längerem mal wieder einen positiven Charakter besitzt, aber die „Spieler kommen und gehen“ (siehe Wimmer), von daher muss man sie nicht in den Himmel heben.
Das Weglassen der Unterstützung wäre für sie das einzige Mittel, um auf ihre Probleme aufmerksam machen zu können. Man hätte die Mannschaft schließlich vorab über die Maßnahme unterrichtet und baue auf deren Verständnis.
Mit dieser drastischen Maßnahme stehen sie mit dem Rücken zur Wand, was ihnen durchaus bewusst wäre, aber der Ausschluss der gesamten BOYZ wäre ja auch drastisch gewesen.
Eventuell werden sie zu den anstehenden Auswärtsspielen wieder aktiv werden, aber bei den Heimspielen soll es weiterhin ruhig bleiben.

Wir, das „FC-ECHO“, sind der Meinung…
… dass wir mit diesen Supportboykott nicht viel anfangen können und das auch nicht als zielführend erachten. Wir halten diese Positionierung zum jetzigen Zeitpunkt für eine „Trotzreaktion“, da es keinen Grund mehr gibt, diesen Boykott mehr aufrecht zu halten. Der Ausschluss der BOYZ als Gruppe war zum damaligen Zeitpunkt korrekt. Der FC hat in der Zwischenzeit Betroffenen, die ihre Unschuld beweisen konnten, die Strafe erlassen. Damit kann man nicht mehr von einer Kollektivbestrafung sprechen. Es ist für uns völlig richtig, dass hier die Beweislast umgekehrt wurde, da die BOYZ als Gruppe ihre eigenen „Schuldigen“ nicht preisgeben würden.
Natürlich können wir teilweise diese Haltung nachvollziehen, da es besonderes in solchen Gruppierungen enge menschliche Bindungen gibt. Auch uns würde es nicht leicht fallen, einen guten Freund an den Pranger stellen zu müssen. Aber in der Endkonsequenz sollte das soziale Rechtsbewusstsein siegen.

5. Thema:
Laut Aussage des „Südkurve e.V.“ Vorstandes sind Böller, Leuchtspuren und Platzstürme zu verurteilen. Die „Südkurve e.V.“ hätte nach dem Spiel in Gladbach mehrere konstruktive und ehrliche Gespräche geführt. Alle Parteien sind zu dem Entschluss gekommen, dass entsprechende Bekenntnisse „ohne Wenn und Aber“ nun endlich umgesetzt werden müssen! Dies sei die letzte Chance, die seit längerem getätigten Zusagen gegenüber dem 1.FC Köln einzuhalten. Ein weiterer Bruch hätte fatale Konsequenzen für die Ultra-Szene. Dessen sei man sich bewusst und das soll nun verhindert werden.

Wir, das „FC-ECHO“, sind der Meinung…
… dass der Einsatz von jeglicher Pyrotechnik, solange dieser illegal ist, unterbleiben muss. Alles andere schadet dem FC. Wir können uns aber einen kontrollierten Einsatz, im Rahmen einer Choreographie, durchaus vorstellen. Hierzu müssen allerdings die erforderlichen Genehmigungen vorliegen, damit dem 1.FC Köln kein Schaden entsteht. Das obliegt der Pflicht des 1.FC Köln und sollte auch angestrebt werden.

6. Thema:
Der Selbstreinigungsprozess und die Selbstreflektion ihres eigenen Handelns läuft im „Südkurve e.V.“ und den Gruppen sehr schleppend und intransparent. Sie geben ihr Fehlverhalten zu, begründen diese aber sofort mit einem angeblichen Fehlverhalten des DFB/DFL. Weiterhin sei es sehr schwierig, die einzelnen Schuldigen im „Südkurve e.V.“ zu identifizieren. Die einzelnen Gruppen reden mit „Problemmitgliedern“ und versuchen positiv auf diese einzuwirken. Aber innerhalb der Gruppen wird zukünftig bei Verstößen konsequent vorgegangen. Dabei wollen sie „nicht zimperlich“ sein.

Wir, das „FC-ECHO“, sind der Meinung…
… dass vor der Selbstreinigung ein klares Statement zur eigenen Schuld abgegeben werden muss. Dabei ist es völlig überflüssig und auch kontraproduktiv die Begründung der eigenen Schuld in dem Verhalten des DFB/DFL zu suchen. Die Ultras sollten lernen, erst vor der eigenen Tür zu kehren, bevor man auf andere zeigt.
Es ist längst überfällig, dass die „Unverbesserlichen“ sichtbar aus ihren Reihen auszuschließen sind. Tun sie es nicht, besteht für die Ultra-Gruppierungen die Gefahr, dass sie sich selbst ins „Aus“ schießen. Das Verständnis der „normalen“ Fans reduziert sich von Woche zu Woche mehr.
Der Großteil unseres Fan-Clubs würde es sehr bedauern, wenn es die Ultras im Stadion nicht mehr geben würden.

7. Thema:
Die Gespräche mit dem Vorstand vom FC sollen laut „Südkurve e.V.“ wieder anlaufen. Dies soll lieber früher als später passieren. Dazu muss zunächst intern eine Einigung über die weitere Vorgehensweise erfolgen. Dies kann sich noch über den ganzen Sommer hinziehen. Auch hier konnte der Vorstand des „Südkurve e.V.“ keine weiteren Äußerungen abgeben, da er wiederholt nicht im Namen des „Südkurve e.V.“ sprechen durfte.

Wir, das „FC-ECHO“, sind der Meinung…
… dass wir diese Zeitspanne akzeptieren können, da es nicht einfach ist, verschiedene Strömungen in dem „Südkurve e.V.“ zu kanalisieren und ein einheitliches Meinungsbild zu formen. Wir haben großes Verständnis für die Schwierigkeit dieser Aufgabe und wünschen dem Vorstand des „Südkurve e.V.“ dabei ein glückliches Händchen. Unabhängig davon sehen wir die Wiederaufnahme der Gespräche und die Mitarbeit in der AG Fankultur für zwingend an und sollten parallel dazu schnellstens wieder aufgenommen werden. Das Eine muss das Andere nicht ausschließen.

8. Thema:
Die Strafen des DFB/DFL und des 1.FC Köln hält der „Südkurve e.V.“ für völlig überzogen und nicht akzeptabel. Grundsätzlich rebellieren sie gegen die Gerichtsbarkeit des DFB/DFL und fordern zur „Mobilmachung“ auf. Aus Sicht des „Südkurve e.V.“ müssen hier klare Regeln her, damit die Willkür des Strafmaßes ein Ende hat. Es kann nicht sein, dass der FC, aufgrund fehlender Lobby beim DFB/DFL, härtere Strafen erhält, als andere Vereine. Besonders hervorzuheben ist dabei die Sperrung der beiden Blöcke S3 und S4, weil es viele Unschuldige trifft. Die aus dem DFB/DFL Urteil resultierende FC- Strafen gegenüber den Ultras wurden ebenfalls hart kritisiert. Im Mittelpunkt dabei steht die vermeintliche Kollektivstrafe gegen die Gruppierung der BOYZ .

Wir, das „FC-ECHO“, sind der Meinung…
… dass sich an der Gerichtsbarkeit beim DFB/DFL etwas ändern muss. Nur dazu sollten andere Wege eingeschlagen werden, als ein Supportboykott und Schmähgesänge. Da es ein politisches Problem ist, kann dieses auch nur auf dieser Ebene, im Verbund mit anderen Bundesligavereinen, gelöst werden. Der FC muss sich dem DFB/DFL Regelwerk beugen, um am Ligabetrieb teilnehmen zu können. Der Protest der Ultras sollte sich nicht gegen den 1.FC Köln, sondern Richtung Frankfurt gegen den DFB/DFL richten. Dabei ist es vielleicht durchaus wirksam, sich mit anderen Ultra-Gruppierungen der Bundesligaszene zusammen zuschließen. Das wäre mal ein anspruchvolles Ziel. Es gilt unseren Verein gegenüber dem DFB/DFL zu stärken, in dem sich alle Fans des 1.FC Köln an Regeln und Normen halten, so dass sich eine positive Lobby entwickeln kann.
Aus Sicht des 1.FC Köln sind wir bei der Strafe noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Es hätten anstatt der aktuell über 2.800 unschuldigen Fans, durchaus fast 50.000 treffen können. Jeder unschuldige Fan, der ein Spiel nicht sehen kann, ist einer zu viel.
Der 1.FC Köln ist laut eigener Satzung verpflichtet, vereinsschädigende Personen aus dem Verein auszuschließen. Da aber im vorliegenden Fall die „Straftäter“ nachweislich von einer Gruppierung gedeckt werden, bleibt nur die Option, die Gruppe als Ganzes zu bestrafen. Zumal der betreffende Fan-Club bereits vorher mehrmals negativ aufgefallen ist.

9. Thema:
Die BOYZ nahmen ebenfalls an der Veranstaltung teil und sind sogar im Vorstand des „Südkurve e.V.“ vertreten. Sie betonten, dass sie Fehler machten, wollten dies aber nicht in einer Stellungsnahme offiziell erklären. Es kam die Aussage, dass sie damit ein öffentliches Schuldanerkenntnis vermeiden wollen. Über die angebliche Kollektivbestrafung sind sie sehr verärgert, da ihrer Meinung nach nur ein paar ganz wenige Mitglieder bei den Vorfällen in Mönchengladbach beteiligt gewesen waren. Die BOYZ befürchten, dass bei künftigen Vergehen andere Gruppierungen ebenfalls komplett ausgeschlossen werden könnten.

Wir, das „FC-ECHO“, sind der Meinung…
…. dass von Seiten der BOYZ, kein wirkliches Interesse an einer Aufklärung besteht. Die Tatsache, dass nach dem Statusentzug als offiziellen Fan-Club ca. 25 BOYZ-Mitglieder (von ca. 40) mit Waffen und Drogen von der Polizei in Dortmund festgenommen wurden, zeigt uns deutlich, dass sie sich nicht ändern wollen. Die genannte Kollektivstrafe ist durch den Unschuldsbeweis von mindestens 6 ehemaligen Mitgliedern der BOYZ widerlegt, da deren Sperrung seitens des 1.FC Köln wieder aufgehoben wurde. Diesen Weg könne alle anderen, angeblich unschuldigen BOYZ-Mitglieder folgen. Wer ständig als Kollektiv auftritt und auch so wahrgenommen werden möchte, braucht sich dann auch nicht über den Ansatz einer kollektiven Bestrafung zu wundern. Haltet Euch alle an Regeln, dann gibt es keine Strafen.

 Grundsatz-Statement des Fan-Clubs „FC-ECHO“:

Wir als FC-Echo möchten betonen, dass wir uns eine bunte Fankultur wünschen, in dieser die Ultras einen festen Platz haben. Wir haben durchaus Verständnis für die Vorbehalte und Ängste der Ultras gegenüber der Kommerzialisierung des Fußballs und der eventuellen Verdrängung der Ultra-Gruppierungen mit ihrer eigenen Fankultur. Wir sind aber der Auffassung, dass sie sich auf ihre vielen positiven Dinge, für die sie stehen, konzentrieren sollten:

  • Stimmung im Stadion
  • Choreographien
  • soziales Engagement
  • antirassistisch positionieren

Diese Aktivitäten finden in unserem Fan-Club großen Zuspruch und wird in der Gesamtbewertung des „Südkurve e.V.“ von uns auch anerkannt und berücksichtigt.
Wir wollen wieder, mit den Ultras gemeinsam, im Stadion für gute Stimmung sorgen. Denn auch wir wünschen uns keine englischen Verhältnisse. Das setzt aber die Vermeidung von Krawallen, Einsatz von Böllern, Leuchtspurraketen sowie Platzstürmen und anderen vereinsschädigenden Aktionen, voraus.
Wir sind jeder Zeit zu Gesprächen mit Vertretern der „Südkurve e.V.“ bereit. Wir scheuen uns auch nicht in die einzelnen Gruppierungen reinzugehen, um mit ihnen zu diskutieren. So können wir ihnen auch mal ihre Außenwirkung auf den Rest der Fangemeinde spiegeln. Denn nur im gegenseitigen Dialog ist ein wachsendes Verständnis für Andersdenkende und eine Annäherung möglich. Jedes Gespräch kann der Anstoß zum Umdenken sein. Wir möchten gemeinsam dafür werben, dass sich die Ultras und der FC wieder vereinen und gemeinsam an einem Strang ziehen.
Alle FC-Fans sollten gemeinsam an einem positiven Image arbeiten, damit eine erfolgreiche Ausgangsposition geschaffen wird, um den DFB/DFL in einigen Positionen Schritt für Schritt zum Umdenken zu bewegen.
U.a. denken wir dabei an:

  • Einsatz von kontrollierter Pyrotechnik
  • Überarbeitung des Strafenkatalogs
  • Einhaltung der 50+1 Regel (ohne Ausnahmeregelungen)

Wir wünschen uns allen bei der Lösung der anstehenden Probleme viel Erfolg.
Der Fan-Club „FC-ECHO“

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